gedankenfenster | gedankenfenster2 | gedankenfenster3
Keine Handnotiz verfügbar.
Zoom In   Zoom Out


Dies ist die Diskussionsplattform zu www.gedankenfenster.de
Allgemeine Hinweise
Sonntag, 28. Februar 2010
 Blatt / Kategorie: Nietzsche
Friedrich Nietzsche. Jenseits von Gut und Böse. Zweites Hauptstück. Der freie Geist. Kapitel 31:
Man verehrt und verachtet in jungen Jahren noch ohne jene Kunst der Nuance, welche den besten Gewinn des Lebens ausmacht, und muß es billigerweise hart büßen, solchergestalt Menschen und Dinge mit Ja und Nein überfallen zu haben. Es ist alles darauf eingerichtet, daß der schlechteste aller Geschmäcker, der Geschmack für das Unbedingte, grausam genarrt und gemißbraucht werde, bis der Mensch lernt, etwas Kunst in seine Gefühle zu legen und lieber noch mit dem Künstlichen den Versuch zu wagen: wie es die rechten Artisten des Lebens tun. Das Zornige und Ehrfürchtige, das der Jugend eignet, scheint sich keine Ruhe zu geben, bevor es nicht Menschen und Dinge so zurechtgefälscht hat, daß es sich an ihnen auslassen kann – Jugend ist an sich schon etwas Fälschendes und Betrügerisches.
Quelle: http://www.zeno.org

Direktlink zum Artikel


... link (0 Kommentare)   ... comment









Dienstag, 16. Februar 2010
 Blatt / Kategorie: Nietzsche
Friedrich Nietzsche. Die fröhliche Wissenschaft. Erstes Buch. Kapitel 2:
Das intellektuale Gewissen. – Ich mache immer wieder die gleiche Erfahrung und sträube mich ebenso immer von neuem gegen sie, ich will es nicht glauben, ob ich es gleich mit Händen greife: den allermeisten fehlt das intellektuale Gewissen; ja es wollte mir oft scheinen, als ob man mit der Forderung eines solchen in den volkreichsten Städten einsam wie in der Wüste sei. Es sieht dich jeder mit fremden Augen an und handhabt seine Waage weiter, dies gut, jenes böse nennend; es macht niemandem eine Schamröte, wenn du merken läßt, daß diese Gewichte nicht vollwichtig sind – es macht auch keine Empörung gegen dich: vielleicht lacht man über deinen Zweifel. Ich will sagen: die allermeisten finden es nicht verächtlich, dies oder jenes zu glauben und darnach zu leben, ohne sich vorher der letzten und sichersten Gründe für und wider bewußt worden zu sein und ohne sich auch nur die Mühe um solche Gründe hinterdrein zu geben – die begabtesten Männer und die edelsten Frauen gehören noch zu diesen »Allermeisten«. Was ist mir aber Gutherzigkeit, Feinheit und Genie, wenn der Mensch dieser Tugenden schlaffe Gefühle im Glauben und Urteilen bei sich duldet, wenn das Verlangen nach Gewißheit ihm nicht als die innerste Begierde und tiefste Not gilt – als das, was die höheren Menschen von den niederen scheidet! Ich fand bei gewissen Frommen einen Haß gegen die Vernunft vor und war ihnen gut dafür: so verriet sich doch wenigstens noch das böse intellektuale Gewissen! Aber inmitten dieser rerum concordia discors und der ganzen wundervollen Ungewißheit und Vieldeutigkeit des Daseins stehen und nicht fragen, nicht zittern vor Begierde und Lust des Fragens, nicht einmal den Fragenden hassen, vielleicht gar noch an ihm sich matt ergötzen – das ist es, was ich als verächtlich empfinde, und diese Empfindung ist es, nach der ich zuerst bei jedermann suche – irgendeine Narrheit überredet mich immer wieder, jeder Mensch habe diese Empfindung, als Mensch. Es ist meine Art von Ungerechtigkeit.
Quelle: http://www.zeno.org

Direktlink zum Artikel


... link (0 Kommentare)   ... comment









Samstag, 13. Februar 2010
 Blatt / Kategorie: Nietzsche
Friedrich Nietzsche. Morgenröte. Erstes Buch. Kapitel 61:
Das Opfer, das not tut. – Diese ernsten, tüchtigen, rechtlichen, tief empfindenden Menschen, welche jetzt noch von Herzen Christen sind: sie sind es sich schuldig, einmal auf längere Zeit versuchsweise ohne Christentum zu leben, sie sind es ihrem Glauben schuldig, einmal auf diese Art einen Aufenthalt »in der Wüste« zu nehmen, – nur damit sie sich das Recht erwerben, in der Frage, ob das Christentum nötig sei, mitzureden. Einstweilen kleben sie an ihrer Scholle und lästern von da aus die Welt jenseits der Scholle: ja, sie sind böse und erbittert, wenn jemand zu verstehen gibt, daß jenseits der Scholle eben noch die ganze, ganze Welt liegt! daß das Christentum, alles in allem, eben nur ein Winkel ist! Nein, euer Zeugnis wiegt nicht eher etwas, als bis ihr jahrelang ohne Christentum gelebt habt, mit einer ehrlichen Inbrunst danach, es im Gegenteile des Christentums auszuhalten: bis ihr weit, weit von ihm fortgewandert seid. Nicht wenn das Heimweh euch zurücktreibt, sondern das Urteil auf Grund einer strengen Vergleichung, so hat euer Heimkehren etwas zu bedeuten! – Die zukünftigen Menschen werden es einmal so mit allen Wertschätzungen der Vergangenheit machen; man muß sie freiwillig noch einmal durchleben, und eben so ihr Gegenteil, – um schließlich das Recht zu haben, sie durch das Sieb fallen zu lassen.
Ohne auf die Christen rumhacken zu wollen, verlangt diese Passage von Nietzsche der weiteren Verbreitung. Das Beispiel am Christentum ist ja wie von Nietzsche selbst benannt austauschbar durch jede andere persönliche geistige Festlegung, die dem Menschen in den Sinn kommen kann.

Die zukünftigen Menschen...

Quelle: http://www.zeno.org

Direktlink zum Artikel


... link (0 Kommentare)   ... comment









Donnerstag, 4. Februar 2010
 Blatt / Kategorie: Freundschaft
http://www.youtube.com/watch?v=4z88U915uq8

Ich kann die Schönheit dieser Szene nicht in Worte fassen. Ja, ich habe fast das Gefühl, ich darf es noch nichtmal versuchen.


... link (0 Kommentare)   ... comment









Montag, 18. Januar 2010
 Blatt / Kategorie: Glaube und Vernunft
Ich versteh den ganzen Hype um Richard Dawkins nicht, bzw. ich habe ihn nicht verstanden. Ich dachte ja eigentlich, die Menschheit hatte diesen Schritt schon hinter sich: Die Epoche der Aufklärung eben, "Habe Mut Dich Deines Verstandes zu bedienen.", Kant, etc. Damals war das wohl echt etwas Neues. Das kann heute von Dawkins aber niemand mehr behaupten.

Letztlich habe ich mich mit diesem Herrn allerdings nicht genug beschäftigt, um ihn zu beurteilen. Der Eindruck, den ich erhalte habe, ist jedenfalls der, dass er mehr oder weniger mit der Mission durch die Welt zieht, die Leute davon zu überzeugen, dass aus seiner Sicht Unlogisches in der Tat unlogisch ist, und dass er dies in dem delikaten Feld der Religionen tut.

Was dabei herauskommt ist u.a., dass er sich Duelle mit seinen "Kontrahenten" liefert, ohne dass die nächst höhere, vereinigende Stufe des Verstehens in diesem Thema erreicht wird.

Das Wunder des Lebens scheint ihnen nicht groß genug zu sein, als dass man sich auf diese Basis einigen könnte, um von dort sowohl seinen Glauben als auch den Platz für seine Wissenschaft zu suchen. (Zugegeben: Kreationisten halte ich eher noch weiter davon entfernt als Wissenschaftler.)


Ernst Jünger. Das Abenteuerliche Herz. Erste Fassung. S37 f. :

... Der blasse Nachtrupp der Aufklärung - jener ersten, die doch wenigstens noch an die Aufklärung glauben konnte - brach schon in unsere frühen Träume ein. Wohl dem, dem es gelang, den Götzendienern der Vernunft und den Scharlatanen der Wissenschaft zum Trotz den Glauben an die lebendige Fülle der Welt zu knüpfen und an das bunte, sinnvolle und schicksalhafte Spiel, das sie bewegt.


... link (2 Kommentare)   ... comment









Samstag, 16. Januar 2010
 Blatt / Kategorie: Nietzsche
Friedrich Nietzsche. Jenseits von Gut und Böse. Drittes Hauptstück. Das religiöse Wesen:
Die menschliche Seele und ihre Grenzen, der bisher überhaupt erreichte Umfang menschlicher innerer Erfahrungen, die Höhen, Tiefen und Fernen dieser Erfahrungen, die ganze bisherige Geschichte der Seele und ihre noch unausgetrunkenen Möglichkeiten: das ist für einen gebornen Psychologen und Freund der »großen Jagd« das vorbestimmte Jagdbereich. Aber wie oft muß er sich verzweifelt sagen: »ein einzelner! ach, nur ein einzelner! und dieser große Wald und Urwald!« Und so wünscht er sich einige hundert Jagdgehilfen und feine gelehrte Spürhunde, welche er in die Geschichte der menschlichen Seele treiben könnte, um dort sein Wild zusammenzutreiben. Umsonst: er erprobt es immer wieder, gründlich und bitterlich, wie schlecht zu allen Dingen, die gerade seine Neugierde reizen, Gehilfen und Hunde zu finden sind. Der Übelstand, den es hat, Gelehrte auf neue und gefährliche Jagdbereiche auszuschicken, wo Mut, Klugheit, Feinheit in jedem Sinne nottun, liegt darin, daß sie gerade dort nicht mehr brauchbar sind, wo die »große Jagd«, aber auch die große Gefahr beginnt – gerade dort verlieren sie ihr Spürauge und ihre Spürnase. Um zum Beispiel zu erraten und festzustellen, was für eine Geschichte bisher das Problem von Wissen und Gewissen in der Seele der homines religiosi gehabt hat, dazu müßte einer vielleicht selbst so tief, so verwundet, so ungeheuer sein, wie es das intellektuelle Gewissen Pascals war – und dann bedürfte es immer noch jenes ausgespannten Himmels von heller, boshafter Geistigkeit, welcher von oben herab dies Gewimmel von gefährlichen und schmerzlichen Erlebnissen zu übersehn, zu ordnen, in Formeln zu zwingen vermöchte. – Aber wer täte mir diesen Dienst! Aber wer hätte Zeit, auf solche Diener zu warten! – sie wachsen ersichtlich zu selten, sie sind zu allen Zeiten so unwahrscheinlich! Zuletzt muß man alles selber tun, um selber einiges zu wissen: das heißt, man hat viel zu tun! – Aber eine Neugierde meiner Art bleibt nun einmal das angenehmste aller Laster – Verzeihung! ich wollte sagen: die Liebe zur Wahrheit hat ihren Lohn im Himmel und schon auf Erden. –
Quelle: http://www.zeno.org --- Direktlink zum Artikel


... link (0 Kommentare)   ... comment









Dienstag, 8. Dezember 2009
 Blatt / Kategorie: Spiritualitaet
Was der Menschheit fehlt: ein Bewusstsein dafür, dass sie leidet, und der Glaube daran, dass es gar nicht notwendig wäre zu leiden.

Das fängt schon mit dem Problem "Langeweile" an: die Menschen erkennen es nicht als eine Unperfektheit, die sie ein und für alle Mal hinter sich lassen können, ja dass ihr "absolutes Gegenteil" in aller-höchster Perfektion auf ewig Wirklichkeit werden kann.


... link (1 Kommentar)   ... comment









Montag, 6. Juli 2009
 Blatt / Kategorie: Autobiographisches
Am 6. Dezember 2003 überquerte ich einen sumpfigen Graben von gut 3m Breite in bemerkenswerter Weise. Es wäre dazu gewiss nicht gekommen, wenn ich nicht in Begleitung einer höchst charmanten Dame gewesen wäre.
Nach einem gut einstündigen Spaziergang durch ein Areal, das man die Rieselfelder nennt, hatten wir einen Weg eingeschlagen, der rechtwinkling auf den erwähnten Graben führte. Vor dem Graben führte ein weiterer Weg vorbei, der sich von links nach rechts erstreckte, die Bezeichnung “Weg” aber kaum noch verdiente. Er war äußerst uneben und aufgrund von Bodenfrost gleichzeitig steinhart, sodass er kaum nutzbar war. Ihn zu begehen hätte bedeutet, jeden einzelnen Tritt genau kontrollieren zu müssen und seine Augen keinen Moment vom Boden abwenden zu dürfen. Unter diesen Umständen hätte wahrscheinlich ein jeder seinen ersten Gedanken an die Möglichkeit geheftet, den Graben zu überqueren, umso mehr als dass auf der anderen Seite nicht nur ein gangbarer Weg zu sehen war, sondern dieser im Gegensatz zu unserer Seite auch noch sonnenbeschienen war. Zwei Baumreihen an jeder Seite des Grabens warfen ihre Schatten auf uns, was bei Temperaturen um die Null Grad und leichtem Wind zusätzlich ins Gewicht fiel. Die Szene war stark “dualistisch”: Es gab zwei Seiten. Zum einen, die dunklere und kältere mit dem beschwerlicheren Weg, zum anderen, die hellere, etwas wärmere mit dem sehr viel leichteren Weg.
Es war zwischen uns keine Frage, dass wir die andere Seite unbedingt erreichen wollten; der Gedanke der Umkehr kam uns nicht in den Sinn. Von dem Punkt aus, an dem wir standen, gewissermaßen eine T-Kreuzung vor dem Graben, war unsere natürliche Orientierung nach links gerichtet, da wir uns auf dem Gelände vorher eine ganze Weile von rechts her angenähert hatten. Blickte man den Graben nur ca. 30m links entlang, wurde dieser unterbrochen von einem wohl menschlich geschaffenen Übergang. An dieser Stelle hätte man den beschwerlichen Weg auf unserer Seite verlassen können und ganz bequem zur sonnigen Seite wechseln können, bevor sich der Graben dann wieder auftat.
Es gab also zwei Möglichkeiten, um auf die andere Seite zu gelangen: geradeaus über den Graben, sofern möglich, oder links den beschwerlichen Weg. Allerdings hielt ich die Annahme, dass der Graben auch wirklich überquerbar ist, bei genauerem Hinsehen für völlig illusorisch. Dass ich den Vorschlag trotzdem machte, lag nicht etwa an einer vagen Ahnung in mir, sondern daran, dass mir diese Tendenz anhaftet, manchmal Dinge zu sagen und zu denken, die vollständig unsinning sind. Außerdem war ich in etwas abenteuerlustiger Stimmung, was seine Gründe in der Gegenwart dieser höchst charmante Dame hatte. Trotzdem war ich mit einem Teil von mir noch genug bei Verstand bzw. bei Sinnen, um über die unverzögerte und eifrige Bejahnung, mit der sie reagierte, erstaunt zu sein. Wie konnte man so einem unsinnigen Vorschlag nur ernsthaft zustimmen? Jeder Blinder hätte schon von oben sehen können, dass dort unten nichts als Sumpf herrschte, und zwar von der eher flüssigen Sorte.
Da sich mein vernünftiger Teil aber nicht durchsetzte, und ich dachte, dass man ja erstmal runter gehen kann, begann ich schließlich den steilen Abstieg. Bis zum Sumpf unten waren es ca. 2,5m. Wo die Schräge zuende war, gab es nur einen schmalen Streifen am Rand des Sumpfes, doch hatte man bereits dort schon sehr matschige Erde unter sich.
Ich hatte nur kurz Zeit mich umzugucken, denn meine Begleitung ließ nicht lange auf sich warten. Wie ein vernachlässigtes Stadtkind, das noch nie einen Sumpf gesehen hatte und nicht den wässrigen Schimmer auf dem Bereich vor ihr beurteilen konnte, machte sie, nachdem sie unten angekommen war, einen großen, entschiedenen Schritt vorwärts, und versank bei einem lauten Schrei aus Überraschung und sogar ein bißchen Vergnügen mit einem Bein fast bis zum Gesäß. Es folgte der mehr oder weniger vergebliche Versuch, sich durch Einsatz beider Beine wieder rückwärts aus dem Sumpf zu bewegen, dann das Ausstrecken meiner Hand, ihr Griff in die meine und die Rettung an den Rand des Sumpfes.
Selbstverständlich hielt ich die Sache mit der Grabenüberquerung nun für erledigt. Viel eindrücklicher konnte man nicht scheitern. Doch meine Begleitung verblüffte mich. Es kam ihr nicht in den Sinn, diesen Gedanken aufzugeben. Noch an den steilen Hang gelehnt, den wir gerade heruntergeklettert waren und an den sie sich jetzt lehnen konnte, ohne sich irgend welche Sorgen mehr um ihre Kleidung machen zu müssen, bedeutete sie mir mittels Gesten und knappen Worten, dass wir dort rüber müssten. Die einzige Richtung lautete für sie immernoch nur: geradeaus. Es schien mir wie ein Befehl zu sein und ich fühlte mich in die Position gedrängt, diese Aufgabe meistern zu müssen. So versuchte ich mein Bestes, obwohl ich nicht im Geringsten an eine Lösungsmöglichkeit glaubte. Alles, was im Rahmen des Gegebenen gerade noch sinnvoll erschien, war nichts weiter, als den vor uns liegenden Sumpf mit Adleraugen abzusuchen. Noch bis zu dem Moment, an dem mir plötzlich eine kleine ca. 20x20 cm große Stelle auffiel, aus der mitten im Sumpf und praktisch direkt vor uns zwischen all den Laubblättern und der matschigen Erde ein paar Grashalme wuchsen, war selbst dieses Absuchen ein rein mechanisches Verrichten ohne jeden Glauben an den Sinn der Aktion. Ab diesem Moment aber änderte sich schlagartig meine Einschätzung der Lage. Aus der “absoluten Unmöglichkeit” wurde plötzlich ein “vielleicht” mit sehr viel Hoffnung. Dieser kleine von Grashalmen bewachsene Bereich dort vor unseren Augen könnte im Gegensatz zu all dem anderen Matsch ohne Grashalme fest sein. Man musste sehr genau hinschauen, um ihn zu sehen, doch hatte man ihn einst erblickt, erweckte er den Eindruck von Stabilität.
In dieser sonderbaren Szene mit dieser für mich völlig unerwarteten Wendung kostete es mich dann kaum noch Überwindungskraft, den Sprung zu wagen. Ich hätte mich mit diesem Satz vielleicht bis zum Hals in den Sumpf befördern können, doch so war es nicht. Die Stelle war in der Tat fest. Auch war sie ideal gelegen, nämlich genau in der Mitte zwischen beiden Sumpfufern, sodass es zwar eine gewisse Anstrengung und Konzentration brauchte, um aus dem Stand auf sie zu springen, doch handelte es sich nun um eine schaffbare Entfernung.
Ich nahm mir nun ein bißchen Zeit, um diesen ungewöhnlichen Standpunkt zu genießen. Das Sonnenlicht war hier bereits sehr viel stärker, da man sich nicht mehr in der Schattenlinie der gegenüberliegenden Baumkronen befand, die am dichtesten Schatten spendeten. Außerdem konnte ich aus exakter Mittelposition den Graben seitwärts entlang gucken, und so bot sich mir das entsprechende symmetrische Panorama: Der sumpfige Boden lag wie eine Straße vor mir und rechts und links führten die steilen Hänge hinauf, an deren oberen Rändern Bäume und Sträucher wuchsen. Da ich mich nach links gewandt hatte, konnte ich auch frontal auf die 30m entfernte Unterbrechung des Grabens schauen, zu der ebenfalls ein steiler Hang hinaufführte.
Ich drehte mich nun weiter zurück und blickte meine Begleitung an. Offenbar hatte sie keinen Sinn dafür, den Moment zu genießen. Sie schien aus irgend einem merkwürdigen Grund in Eile zu sein und drängte mich weiterzuspringen, sodass sie folgen konnte. So sprang ich weiter und wartete schließlich am anderen Sumpfufer. Sie nahm jeden Sprung ohne lange zu zögern, wenn sie sich aufgrund ihrer geringeren Körpergröße auch jeweils etwas mehr sammeln und anstrengen musste. Zu keinem Moment aber war ihr nach kurzem Innehalten, weder auf der Mittelinsel des Sumpfes, noch am anderen Ufer. Sie schien fast ein bißchen besessen von der Aufgabe, den Sumpf bzw. Graben zu überwinden. Als sie den Sumpf überquert hatte, überholte sie mich quasi, schoß den steilen Hang hinauf und brach sich mit Schwung durch die dort angrenzenden Sträucher.
Nun war es an mir, ihr zu folgen. Seltsamerweise bereitete mir der Aufstieg wesentlich mehr Probleme als ihr. Während sie wie von der Tarantel gestochen hochgeklettert war, ließ ich es mit Ruhe angehen und plante jeden Tritt, was sich als falsche Taktik herausstellte. Es war hier eher rohe Kraft als Systematik erforderlich, vor allem als es darum ging, sich durch das letzte Hindernis der Strauchzweige zu brechen, die sich widerspenstig zwischen mir und dem durchflutenden Sonnenlicht stellten. Letztendlich schaffte natürlich auch ich diesen Aufstieg und stand wenig später mit ihr zusammen auf der anderen Seite des Grabens.
Wir hatten es also geschafft. Wir waren nun auf der “sonnigen Seite” und sie quittierte dies mit den Worten “Dies war es wert.” Der Matsch und die Nässe an ihren Beinen und Füßen war für sie Nebensache. Auch maß sie im Gegensatz zu mir der ganzen Szene wenig Bedeutung bei.


... link (0 Kommentare)   ... comment









Samstag, 6. Dezember 2008
 Blatt / Kategorie: Psychologie
Es muss bitte jemand mal einen Text schreiben:

Die abstrakte Denkweise und die magische Denkweise als Grundlage eigener Weltbildgestaltung.
(Die Epoche der Entdogmatisierung und Individualisierung.)

Der Text muss bitte klar machen, wie blödsinnig unfreier, angstgeleiteter Dogmatismus und wie unschuldig das Heranbilden und Glauben eines eigenen Weltbilds ist.

Darüber hinaus wünsche ich mir das Wort "Denkstil" stärker präsent im Volksbewußtsein.

Vielen Dank im Vorraus!


... link (2 Kommentare)   ... comment









Mittwoch, 15. Oktober 2008
 Blatt / Kategorie: Freiheit
Ich muss mich nun nachträglich von diesem Herrn distanzieren, dem ich vor einiger Zeit einen Link in der linken Spalte gesetzt habe. Ich schätze zwar seinen Einsatz im Bereich der Sterbehilfe nach wie vor, jedoch habe ich inzwischen von Dingen erfahren, die für mich zum einen im starken Kontrast zu der Menschlichkeit stehen, für die ich ihn geschätzt habe, und die zum anderen die Glaubwürdigkeit der Gewissenhaftigkeit seines Handelns etwas in Frage stellen.
Letzterer Punkt zuerst: Er nimmt 8.000 Euro pro Beihilfe zur Selbsttötung.
Ersterer Punkt: Er war früher derjenige, der sich in Hamburg zum Zwecke der Überführung von Drogendealern entschieden für die Zwangsvergabe von Brechmitteln eingesetzt hatte. Dies halte ich für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ganz offensichtlich grundgesetzwidrig. Außerdem sehe ich hier einen Widerspruch zu seiner Argumentation für das Recht auf den eigenen Tod. Wer sagt, dass der Wille des Patienten ein Absolutum ist, der durch nichts zu relativieren sei und außerdem durch Paragraph 1 des GG garantiert sein müsse, muss dies meiner Meinung nach auch gesunden Menschen zugestehen, die sich dafür entscheiden, ihrem Körper gewisse, psychoaktive Substanzen zuzuführen. Der Drogendealer ist dabei ja nur derjenige, der diese Substanzen illegal zugänglich macht, weil sich der Staat unlegitimerweise erlaubt, die breite Masse völlig undifferenziert zu bevormunden.

Trotzdem unterstütze ich weiterhin seine Aktivitäten im Bereich der Sterbehilfe:
Roger Kusch Sterbehilfe e.V.


... link (1 Kommentar)   ... comment